Muthesius Kunsthochschule: Vier Räume/ Vier Künstler/innen

 

Update im Juni 2015: Wir gratulieren Sutin Zhang zum Dritten Platz des Vaters Kunstpreises. Gewonnen hat sie dort mit dem Bild „Was will ich wirklich?“, das auch bei uns Teil der Ausstellung war. Die Künstler/innen sind: Maxim Brandt, Svetlana Grigorieva, Mascha Livanskaia und Sutin Zhang-
Sie alle studieren an der  Muthesius Kunsthochschule Freie Kunst mit dem Schwerpunkt Malerei und geben Einblick in die neue, junge Kunst ihrer Künstlergeneration. Mit dieser Ausstellung beginnt auch ein neues Kapitel für die Galerie Göldner, die die Ausstellungsräumlichkeiten pro Künstler/in aufteilt und zur freien Verwendung gibt.

Eröffnungsrede Maike Brzakala:

Dieses Mal zeigen wir junge Kunst in der Galerie Göldner und zwar aus der Kunst-Nachwuchs-Schmiede in Schleswig-Holstein, der Mutheisus Kunsthochschule.
Die Kunsthochschule ist ein Ort, an dem der Kunst Freiraum gegeben wird. Es ist keiner, wo am Ende auf investierten Euro und Cent genau junge Leute dem allgemeinen Produktivitätskreislauf hinzugefügt werden. Die Kunsthochschule soll Biographien MÖGLICH machen, nicht auf die konforme Schiene setzen.
Die vier Studierenden präsentieren uns hier einen kleinen Ausschnitt ihres bisherigen Schaffens. Es gehört Mut dazu, denn die Bilder tragen oft biographische Züge, sind Ausschnitt einer Gedankenwelt zu Zeitpunkt des Malens und laden uns dazu ein, mit auf die Reise zu gehen, ein Stück Lebensweg zu begleiten.

Im ersten Raum links hängen die Bilder von Mascha Livanskaia. Geboren wurde sie 1984 in Russland, Sankt Petersburg. Seit der Schuzei ist dsie in Deutschland und studiert nun Kunst und Russisch auf Lehramt für Gymnasien.
Mascha Livanskaia bringt Gedanken und Erinnerungen auf die Leinwand. Sie erschafft dabei eine beeindruckene mehrdimensionale Tiefe, die sich erst auf den zweiten Blick offenbart. In dem Bild “Das Werk”, das wir auch auf der Einladungskarte abgedruckt haben, könnte man z.B. den Hintergrund zu dem klavierspielenden Mädchen für eine Tapete halten. Erst wenn man tiefer in das Bild hineinsieht, erkennt man die Holzfällarbeiten in einem Wald. Es ist unklar, ob der Weg geschlagen wird, damit etwas vielleicht Bedrohliches kommen kann…oder ob ein Weg hinaus gearbeitet wird, um Licht in das Dickicht zu schlagen. Beides ist möglich hinter dem Mädchen aus einer anderen Zeit, die sich ganz auf ihr Klavierspiel konzentriert.
Das Motiv Wald wird uns hier öfter begegnen.
Sie sind eingeladen, sich in den Bildern umzusehen und dem weißen Kaninchen zu folgen.

Maxim Brandt (einen Raum weiter) ist 1986 in der Ukraine geboren und seit 1999 in Deutschland.
“Dann werden wir es erfahren” ist eines seiner Bilder, das Antworten verspricht und gleich wider zurückzieht. Das Ziel sieht einladend und verheißungsvoll aus, aber es ist unklar, ob der Dschungel dahinter gerade überwunden oder noch bevor steht.
Von links greift schon eine Tanne an und streckt sich nach dem soliden Haus. Wenn man sich das Haus genauer ansieht, dann erkennt man, dass die Wohligkeit sich gleich wieder in etwas Beunruhigendes auflöst. Das Haus hat keine sichtbare Tür und nur Fenster zum Herausgucken. Außerdem führt kein Weg dorthin. Vor dem Haus ist nur eine spiegelnde Wasserfläche zu sehen- und das hat – Gegensatz zum Haus- keine Balken.

Im nächsten Raum erwartet Sie Sutin Zhang. 1989 in China geboren. Von 2007 bis 2011 hat sie erst chinesische Malerei an der Kunstakademie Hubai studiert und nun seit 2012 in Kiel. Sie sagt über die Themen ihrer Malerei, dass , dass sie einen 25 Jahre alte chinesischen Kopr hat und der beschäftigt sich deswegen mit der chinesischen Gesellschaft, den Menschen und der Natur.
Eines ihrer Bilder heißt “Was will ich wirklich” und wieder wird als Metapher ein Wald gewählt. Die Frage wird in eine Blechdose gesprochen. In eine, wie Kinder oder kleine Detektive sie benutzen, um geheime Botschaften auszutauschen (das war vor Facebook, WhatsApp und Co).
Wir sehen, dass diese Frage auf kein offenes Ohr trifft und keine Antwort erfährt. Der Draht ist zu locker und wickelt sich mehrfach um die Baumstämme, um sich dann in der Tiefe des Bildes zu verlieren.

Im vierten Raum treffen wir auf die Kunst von Svetlana Grigorieva. Auch sie ist in Russland geboren (1990) und befindet sich auf Durchreise.
Sie zeigt Collagen,, Fotografien und Malerei. Bei dem einen gemalten könnte man meinen, dass der arme Poet nun doch aufgestanden und gegangen ist. Was tatsächlich geschah, bleibt geheim. Übrig bleibt ein leeres Bett mit zerknüllten Laken.
Auch das andere Bild birgt ein Geheimnis. Es wirkt wie eine Familienaufnahme vergangener Zeiten, aber die Gesichter sind unkenntlich gemacht. Man ahnt ein Lächeln bei der Frau, sieht an der Fußhaltung des Mannes, das er entspannt Model sitzt. Es ist ein starkes Porträt ohne erkennbare Porträtdetails. Eines der Pferde unterstützt die Stärke durch seine stolze Haltung.

Sehen Sie um, tauchen Sie ein in diese Welt der Geschichten und seien Sie neugierig auf die junge Kunst. Vielleicht kaufen Sie ja sogar eines davon und tragen so dazu bei, dass Biographie möglich gemacht wird.

Die Vernissage zu „4 Räume-4 KünstlerInnen“ war nicht nur eine Vernissage, sondern auch ein Galerie-Konzert. Eingeladen war die Hamburger Band „Tramper“, die beinahe den ganzen Abend für das uns spielte. Tramper waren so überzeugend, dass wir die bald noch einmal zu einem Konzert einladen werden.

Die junge Musik passte hervorragend zu der jungen kunst von Maxim Brandt, Svetlana Grigorieva, Mascha Livanskaia und Sutin Zhang.

Hier haben wir ein paar Fotoimpressionen von einem außergwöhnlichen Abend zusammengestellt: