Vernissage am 5. September: Von Innen nach Aussen

Wir laden herzlich ein zur Vernissage der Ausstellung „Von Innen nach Aussen“ am 5 September um 19 Uhr.
Dagmar Petersen und Marianne Harms-Metzger sind anwesend!

Dagmar Petersen und Marianne Harms-Metzger

Eröffnungsrede von Maike Brzakala:

Die Ausstellung “Von Innen nach Aussen” ist in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes, denn es ist eine Doppelausstellung und die beiden Künstlerinnen, die hier so harmonisch nebeneinander ihre Bilder hängen haben, sind in ihrem Ausdruck sehr unterschiedlich. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich im Malprozess führen lassen von dem, was sich in ihnen sich ausdrücken will.
Dagmar Petersen, geboren in Kiel, hat Biologie und Chemie studiert, war Softwareentwicklerin und lebt und arbeitet nun in Eckernförde. Seit 14 Jahren beschäftigt sie sich mit der Kunst und der Malerei und stellt dabei den Mensch in seinen verschiedenen Lebensphasen in den Mittelpunkt. Hier in Bordesholm zeigt sie uns ihre Mädchenbilder und Kinderportraits.
Die meisten Bilder zeigen innere Bildwelten und im durchaus realen Malstrich unrealistische Begebenheiten.
Dagmar Petersen sagt selbst über ihre Art zu malen, dass die Bilder nicht nach einer inneren Vorstellung entstehen, sondern sich aus dem Malen selbst entwickeln.

“Ich beginne immer mit der dünnen Farbe, die ich auf der Leinwand verlaufen lasse, spritze, kleckere oder gieße andere Farbtöne hinein, drehe das Bild, lasse Farbe ineinander fließen oder ein Liniengerüst bilden. Dann zeichne ich intuitiv von einem der vielen gesammelten Fotografien ein Mädchen, das mich in seiner Haltung anspricht, auf die getrocknete Farblandschaft.
Und die Fantasie setzt ein: Ist das vielleicht ein Zweig? Sitzt da ein Vogel? […] Zwischen dem Mädchen und der Umgebung entsteht eine Beziehung. Das Bild ist ständig in Veränderung. Solange ich neugierig bin, was als nächstes entsteht, male ich weiter. Wenn das nicht mehr geht, höre ich auf. Dann schaue ich und lass mir von dem Bild etwas erzählen, so wie ich früher gern Geschichten und Märchen gehört und gelesen habe.”

Ihre Bilder sind vielschichtige Erzählbilder. Und den meisten ist gemeinsam, dass sie Traumwelten zeigen. Oft hocken die Mädchen und wenn sie stehen, dann auf Kugeln oder im Wasser, in jedem Fall auf unsicherem Grund. Mal stehen sie auf Traumblasen, mal sind sie darin gefangen. Seltsame Pflanzen bevölkern die Szenerie.
Daraus ergibt sich ein spannender Kontrast zwischen irgendwie realistisch gemalten Einzelheiten, die aber in sich absolut surreal sind.
Den Mädchen in den Bildern ist gemeinsam, dass sie versunken wirken. Sie blicken herunter, wenden sich ab und möglicherweise träumen sie sich sogar selbst in diesem Augenblick. Auf den Bilder, in denen der Blick das Außen sucht, sehen wir etwas trotzig Entschlossenes und fühlen uns als Eindringlinge.
Gerne verwendet Dagmar Petersen auch Karomuster, was das harlekinartige und die “Alice im Wunderland”-Atmosphäre noch unterstreicht. Die Bilder lassen viel Spielraum für eigenes Erleben während der Betrachtung.

Das Bild, das wir z.B. auch für die Einladungskarte ausgesucht haben, zeigt ein Mädchen, das hinabsteigt. Dafür nutzt sie aber nicht die Treppe, die direkt neben ihr in die Tiefe führt, sondern aufeinandergestapelte quadratische Steine. Es bleibt unklar, woher sie kommt, denn der Raum direkt hinter ihr ist undurchdringlich schwarz. Sie ist barfuss, was ihr sicher eine höhere Kontrolle auf diesem unsicheren Grund verleiht, aber was sie auch schutzlos gegen die Untergründe macht. Es wirkt, als wenn sie sich in einem Riss bewegt, der die Welt teilt. Oben rechts sind stilisierte Bäume oder auch Fabrikschlote auf ziegelsteinfarbigen Boden, ein Brückengeländer und eben die Treppe, auf die das Mädchen sich stützt. Darauf scheint Sonnenlicht, das sich nach unten hin immer weiter verliert.
Auf der anderen Seite des Risses wächst ein Baum, der sich in seinem kahlem Wuchs auch nicht durch die Mauer aufhalten läßt. Sterntalerartig ergießt sich nur in ihre Richtung ein goldblättriger Strom, der sich bei Bodenberührung zu einer andersfarbigen Substanz wandelt. Unter dem Baum steht ein dicker einladender Sessel, aber es sitzt niemand drauf. Das Mädchen nimmt nicht einmal Notiz davon und steigt weiter herab.
Dass der Baum keine Blätter trägt, mag daran liegen, dass es nicht in Erde wächst, sondern auch in einem Quader, der der Ziegelwand mit den Schlote nicht unähnlich ist. Der Luftballon anstelle eines Blattes wirkt wie eine Beatmungsreserve.

Und was sagt uns nun das Bild?
Keine Ahnung. Es ist nicht unser Traum. Aber es lädt uns ein, hier staunend davor zu stehen und zu fühlen, ob dieser Traum in Teilen auch in uns zu Hause ist.

Es geht hier nicht um die eine Wahrheit von Bedeutung, sondern um das Erfühlen dessen, was wir hier sehen. Verstand ist absolut hinderlich dabei. Und er nützt hier auch nichts, denn er wird stets irre geleitet, ihm wird die lange Nase gedreht.
Trauen Sie sich, sich darauf einzulassen und genießen die assoziierende Bildhaftigkeit von Dagmar-Petersen.

Ganz anders die Bilder von Marianne Harms-Metzger. Sie lebt und arbeitet in Barkelsby, ist seit 30 Jahre der Malerei verfallen und konzentriert sich dabei allein auf Farbe und Material.
Drei Themenfelder hat sie uns mitgebracht.
Thema 1 ist es die Farbe als solches in ihren Farbsäulenbildern, in denen sie Farbe mit Fläche kommunizieren läßt. Farben ergeben Farbklänge und Gefühl. Warm, kalt, laut, leise, hell, dunkel, angenehm, bedrohlich…Mehrere von ihnen nebeneinander ergebene eine Farbklaviertastatur. Auch hier ist Denken eher hinderlich und Wirkung alles.

Das zweite Themenfeld ist das Thema Horizont. Diese Bilder wirken so meditativ wie der Blick in ein Aquarium. Unwichtig ist, was oder ob sich etwas hinter oder vor dem Horizont befindet, denn der Horizont ist selbst das Thema. Hier trifft sich alles, das Nahe und das Ferne und bleibt in sich unsichtbar. Ein Horizont ist eine Verdichtung von Raum auf einer Linie, auf die unser Blick sich lenkt und uns gefangen nimmt. Es ist Nichts und Alles und wir können innehalten darin wie in einem Raum Dazwischen. Auch das ist ein Riss in der Welt, aber eher eine Art von Chill-Out-Zone, ein Moment des Luftholens und kontemplativen Innehaltens.
Ich genieße diese Bilder sehr.

Außerdem hat Marianne Harms-Metzger uns auch ihre Materialbilder mitgebracht. Sie bestehen aus Schlemmkreide, Pigment, Sand, Bitumen, Holzkohle und Marmorbild. Hier entdeckt man ab und zu Gegenständliches, meint Form und Inhalt zu erkennen, aber nur, um es sogleich wieder zu verlieren. Auch hier ist es hilfreicher, sich einfach in das Fühlen zu begeben und sich zu fragen, was es mit einem macht und auslöst.
Richtig und falsch gibt es dabei nicht, nur Wahrnehmung auf einer unverfälschten Ebene des Moments.
Und damit entlasse ich Sie nun in Ihre eigenen Momente mit den Bildern und wünsche Ihnen einen angenehme Zeit in den Räumen der Galerie Göldner.

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